Blutdruck richtig messen: Die häufigsten Fehler und was Ihre Werte wirklich bedeuten
Der Blutdruck gehört zu den wichtigsten Gesundheitswerten unseres Körpers. Trotzdem wissen viele Menschen nicht genau, was ihre Blutdruckwerte bedeuten oder wie eine korrekte Blutdruckmessung überhaupt durchgeführt wird. Tatsächlich können bereits kleine Fehler bei der Messung dazu führen, dass der gemessene Blutdruck deutlich zu hoch oder zu niedrig ausfällt.
Ein falsch gemessener Blutdruck kann unnötige Sorgen auslösen oder dazu führen, dass ein tatsächlich bestehender Bluthochdruck unerkannt bleibt. Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Grundlagen zu kennen und typische Fehler zu vermeiden.
Was ist der Blutdruck überhaupt?
Der Blutdruck beschreibt den Druck, mit dem das Blut durch unsere Blutgefäße fließt. Er entsteht durch die Pumpbewegung des Herzens und sorgt dafür, dass Organe, Muskeln und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.
Bei einer Blutdruckmessung werden immer zwei Werte angegeben:
Systolischer Blutdruck
Der obere Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Körper pumpt.
Diastolischer Blutdruck
Der untere Wert wird gemessen, wenn sich das Herz zwischen zwei Herzschlägen entspannt und wieder mit Blut füllt.
Ein Blutdruck von 120/80 mmHg bedeutet beispielsweise:
- 120 mmHg systolischer Blutdruck
- 80 mmHg diastolischer Blutdruck
Welche Blutdruckwerte gelten als normal?
Die folgenden Werte dienen als Orientierung für Erwachsene:
| Blutdruck | Wert |
|---|---|
| Optimal | unter 120/80 mmHg |
| Normal | unter 130/85 mmHg |
| Hochnormal | 130–139 / 85–89 mmHg |
| Bluthochdruck Grad 1 | 140–159 / 90–99 mmHg |
| Bluthochdruck Grad 2 | 160–179 / 100–109 mmHg |
| Bluthochdruck Grad 3 | ab 180 / ab 110 mmHg |
Ein einzelner erhöhter Blutdruckwert bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Erkrankung vorliegt. Entscheidend sind wiederholte Messungen über einen längeren Zeitraum sowie die medizinische Beurteilung durch einen Arzt.
Warum eine korrekte Blutdruckmessung so wichtig ist
Viele Menschen messen ihren Blutdruck zuhause. Das ist grundsätzlich sinnvoll und kann wertvolle Informationen liefern. Allerdings werden dabei häufig Fehler gemacht.
Studien zeigen, dass bereits kleine Abweichungen bei der Durchführung die Messergebnisse deutlich beeinflussen können. In manchen Fällen können Unterschiede von 10 bis 20 mmHg entstehen – genug, um einen normalen Blutdruck als erhöht erscheinen zu lassen.
Deshalb ist die richtige Vorbereitung entscheidend.
So messen Sie Ihren Blutdruck richtig
Für eine möglichst genaue Blutdruckmessung empfehlen Fachgesellschaften, vor der Messung einige Minuten ruhig zu sitzen, während der Messung nicht zu sprechen und den Arm auf Herzhöhe zu lagern. Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie bei der Deutschen Herzstiftung.
Folgende Punkte sollten beachtet werden:
Vor der Messung
- Mindestens 5 Minuten ruhig sitzen
- Keine körperliche Belastung unmittelbar davor
- 30 Minuten vor der Messung möglichst nicht rauchen
- Kaffee, Energydrinks oder andere koffeinhaltige Getränke vermeiden
- Vorher die Blase entleeren
Während der Messung
- Bequem auf einem Stuhl sitzen
- Rücken anlehnen
- Beide Füße flach auf den Boden stellen
- Beine nicht übereinanderschlagen
- Nicht sprechen
- Arm entspannt auf Herzhöhe lagern
- Die Manschette direkt auf der Haut anlegen
Nach der Messung
- Zwei Messungen im Abstand von etwa einer Minute durchführen
- Den Durchschnittswert notieren
- Möglichst immer zur gleichen Tageszeit messen
Die häufigsten Fehler bei der Blutdruckmessung
Fehler Nr. 1: Direkt nach körperlicher Belastung messen
Treppensteigen, Sport oder schnelles Gehen erhöhen den Blutdruck vorübergehend. Nach körperlicher Aktivität sollte man einige Minuten warten.
Fehler Nr. 2: Während der Messung sprechen
Schon ein kurzes Gespräch kann den Blutdruck messbar ansteigen lassen.
Fehler Nr. 3: Beine übereinanderschlagen
Viele Menschen sitzen unbewusst mit gekreuzten Beinen. Dadurch können die Blutdruckwerte verfälscht werden.
Fehler Nr. 4: Arm nicht auf Herzhöhe
Befindet sich der Arm zu tief oder zu hoch, kann der gemessene Blutdruck deutlich vom tatsächlichen Wert abweichen.
Fehler Nr. 5: Falsche Manschettengröße
Eine zu kleine Manschette misst häufig einen zu hohen Blutdruck. Eine zu große Manschette kann dagegen zu niedrigen Werten führen.
Fehler Nr. 6: Nur einmal messen
Ein einzelner Messwert liefert oft kein vollständiges Bild. Mehrere Messungen sind deutlich aussagekräftiger.
Oberarm oder Handgelenk – welches Gerät ist besser?
Für die meisten Menschen werden moderne Oberarmmessgeräte empfohlen. Sie gelten als besonders zuverlässig und liefern bei korrekter Anwendung sehr genaue Ergebnisse.
Handgelenksmessgeräte können ebenfalls gute Werte liefern, reagieren jedoch empfindlicher auf Fehler bei der Armhaltung. Schon wenige Zentimeter Unterschied zur Herzhöhe können das Ergebnis beeinflussen.
Ausführliche Informationen zu den Vor- und Nachteilen verschiedener Blutdruckmessgeräte bietet die Stiftung Gesundheitswissen.
Was ist die Weißkittel-Hypertonie?
Manche Menschen haben ausschließlich in einer Arztpraxis erhöhte Blutdruckwerte. Zuhause liegen die Werte dagegen im normalen Bereich.
Dieses Phänomen wird als Weißkittel-Hypertonie bezeichnet. Die ungewohnte Situation, Nervosität oder Anspannung führen dabei zu einem vorübergehend erhöhten Blutdruck.
Aus diesem Grund empfehlen viele Fachgesellschaften zusätzliche Messungen zuhause oder eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Folgende Situationen sollten ärztlich abgeklärt werden:
- Wiederholt Blutdruckwerte über 140/90 mmHg
- Plötzlich stark erhöhte Werte
- Schwindel
- Atemnot
- Brustschmerzen
- Sehstörungen
- Kopfschmerzen in Verbindung mit hohem Blutdruck
Eine frühzeitige Abklärung kann helfen, gesundheitliche Risiken rechtzeitig zu erkennen.
Die Österreichische Gesellschaft für Hypertonie informiert umfassend über Bluthochdruck, Risikofaktoren und moderne Behandlungsmöglichkeiten.
Was kann helfen, den Blutdruck positiv zu beeinflussen?
Neben medizinischen Maßnahmen können verschiedene Lebensstilfaktoren einen wichtigen Beitrag leisten:
- Regelmäßige Bewegung
- Ausreichend Schlaf
- Stressmanagement
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Rauchstopp
- Reduktion von übermäßigem Alkoholkonsum
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst
- Entspannungsverfahren
Auch regelmäßige Erholungsphasen spielen eine wichtige Rolle für das Herz-Kreislauf-System.
Fazit
Der Blutdruck ist ein wichtiger Indikator für die Gesundheit von Herz und Kreislauf. Eine korrekte Blutdruckmessung bildet die Grundlage für zuverlässige Ergebnisse und hilft dabei, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Wer seinen Blutdruck regelmäßig kontrolliert und typische Messfehler vermeidet, erhält deutlich aussagekräftigere Werte. Gleichzeitig können ein gesunder Lebensstil, ausreichend Bewegung und bewusste Entspannung dazu beitragen, das Herz-Kreislauf-System langfristig zu unterstützen.
